- Written by: Lehmann Alexander
- Oktober 13, 2026
GOL Street Angels auf dem Cannstatter Wasen – Zwei Nächte voller Begegnungen, Hilfe und Dankbarkeit
Am 3. und 10. Oktober 2026 waren unsere GOL Street Angels erstmals auf und rund um den Cannstatter Wasen in Stuttgart unterwegs. Zwei Abende, die unterschiedlicher kaum hätten sein können und die uns eines ganz deutlich gezeigt haben: Es braucht manchmal gar nicht viel, um für andere Menschen einen Unterschied zu machen.
Mit unseren gemischten Teams machten wir uns auf den Weg, um dort zu sein, wo Menschen möglicherweise Unterstützung benötigen. Bei unserem zweiten Einsatz waren wir ganz ohne unsere üblichen Westen und Hilfsutensilien unterwegs. Doch auch ohne besondere Ausrüstung konnten wir für andere Menschen da sein.
Unser erster Einsatz – und gleich mittendrin
Der 3. Oktober war für uns etwas Besonderes. Es war tatsächlich unser allererster Einsatz auf dem Cannstatter Wasen! Das erzählten wir auch ganz offen den Menschen, mit denen wir ins Gespräch kamen.
Was uns dabei besonders überraschte, war die unglaublich positive Resonanz. Viele Menschen bedankten sich einfach dafür, dass wir da waren. Diese Offenheit und Herzlichkeit hatten wir in dieser Form nicht erwartet.
Vor allem in der Mercedesstraße, auf den Wegen zum Bahnhof Bad Cannstatt und rund um den Bahnhof gab es einiges zu tun. Wir halfen Menschen, die sich nicht mehr zurechtfanden, sprachen Freunde von stark alkoholisierten Personen an und boten Unterstützung an, wo sie gebraucht wurde.
In einem Fall mussten wir aufgrund des Zustands einer Person sogar den Rettungsdienst verständigen. In einer anderen Situation begleiteten wir ein Paar, bei dem die alkoholisierte Frau zusätzlich unter Panikattacken litt. Wir blieben bei den beiden und gaben ihnen durch unsere Anwesenheit etwas Sicherheit. Der Freund war uns hinterher unglaublich dankbar, dass wir ihn in diesem Moment nicht alleingelassen hatten.
Es waren viele kleine Begegnungen, aber genau diese machen für uns die Arbeit der Street Angels aus.
Der zweite Abend – ruhiger, aber nicht weniger wertvoll
Am 10. Oktober waren wir erneut unterwegs. Diesmal war es im Vergleich zum ersten Samstag deutlich ruhiger. Und eigentlich ist genau das ja auch etwas Gutes!
Hin und wieder sprachen wir Menschen an, die etwas unsicher auf den Beinen waren, und fragten einfach, ob alles in Ordnung sei. Niemand reagierte aggressiv oder abweisend. Ganz im Gegenteil: Häufig hörten wir Sätze wie „Alles gut, danke!“ oder „Danke, dass ihr das macht!“
Eine größere Hilfeleistung gab es dennoch. Ein stark alkoholisierter Mann war kaum noch in der Lage, selbstständig zu laufen. Gemeinsam mit hilfsbereiten Passanten begleiteten wir ihn bis zur S-Bahn. Dort machten wir das Sicherheitspersonal auf seine Situation aufmerksam. Außerdem wurde seine Frau angerufen, damit sie ihn abholen konnte.
Dieser Mann war von Herzen dankbar. Man konnte ihm regelrecht ansehen, wie sehr ihn diese Unterstützung berührte. Am Ende wussten wir, dass er nicht einfach sich selbst überlassen blieb, sondern weitere Hilfe organisiert war. Solche Momente bleiben uns besonders in Erinnerung.
Die Dankbarkeit der Menschen hat uns getragen
Was uns nach diesen beiden Einsätzen besonders bewegt, ist nicht allein die Anzahl der Menschen, denen wir helfen konnten. Es ist vor allem die Reaktion der Menschen.
Wir haben niemanden erlebt, der aggressiv auf unsere Ansprache reagierte. Stattdessen begegneten uns immer wieder Dankbarkeit, Freundlichkeit und Wertschätzung – selbst von Menschen, die unsere Hilfe gar nicht benötigten.
Diese Erfahrungen kennen wir bereits von unseren Street-Angels-Einsätzen auf Mallorca. Ob auf Mallorca oder auf dem Cannstatter Wasen: Die Reaktionen waren erstaunlich ähnlich und durchweg positiv.
Für uns ist diese Dankbarkeit unglaublich ermutigend und erbauend. Sie gibt uns Kraft und motiviert uns, weiterzumachen.
Denn manchmal reicht es schon, jemanden anzusprechen, ein Stück des Weges zu begleiten oder einfach in einer schwierigen Situation dazubleiben.
Auch in München konnten wir wertvolle Kontakte knüpfen
Neben Stuttgart waren wir auch einen Abend auf dem Münchner Oktoberfest unterwegs, allerdings ohne unsere Westen und die übliche Street-Angels-Ausrüstung.
Dorothea übernahm dort die Kommunikation und Organisation. Besonders erfreulich war der offene Austausch mit den professionellen Streetworkern vor Ort. Wir wurden freundlich aufgenommen, erhielten Kontaktdaten und stießen auch hinsichtlich einer möglichen zukünftigen Zusammenarbeit auf Offenheit.
Solche Begegnungen sind für uns besonders wertvoll. Wir möchten nicht in Konkurrenz zu bestehenden Hilfsangeboten treten, sondern diese nach Möglichkeit sinnvoll ergänzen.
GOL Street Angels – Unser geplantes nationales Projekt
Mit den GOL Street Angels möchten wir als GOL Ministries e.V. künftig auch in Deutschland aktiv werden. Während unser gemeinnütziger und mildtätiger Verein bisher überwiegend im Ausland tätig ist, sind die GOL Street Angels als unser nationales Projekt für Deutschland gedacht.
Unser Konzept ist bewusst einfach: Wir sind mobil zu Fuß unterwegs, ohne festen Stand, und bieten Menschen unkompliziert Hilfe an. Wir möchten hinschauen, ansprechen, begleiten und dort unterstützen, wo es uns möglich ist.
Dabei verstehen wir uns ausdrücklich nicht als Ersatz für professionelle Rettungsdienste, Sicherheitskräfte oder bestehende soziale Hilfsangebote.
Natürlich möchten wir unsere zukünftigen Einsätze auch organisatorisch und rechtlich sauber gestalten.
In Stuttgart stehen wir deshalb bereits mit dem Abteilungsleiter für Eigenveranstaltungen und Feste in Kontakt, der sich offen für ein persönliches Gespräch über unser Projekt gezeigt hat.
Unser Wunsch wäre es, auch künftig auf dem Cannstatter Wasen helfen zu können. Sollte eine Tätigkeit innerhalb des Veranstaltungsgeländes allerdings nicht möglich sein, ist das für uns kein Hindernis. Dann konzentrieren wir uns eben auf die öffentlichen Straßen und Wege außerhalb des Wasens, soweit die rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind.
Gerade die Mercedesstraße, die Wege zum Bahnhof Bad Cannstatt und das Bahnhofsumfeld haben uns gezeigt, wie viel Unterstützung auch außerhalb des eigentlichen Festgeländes benötigt wird.
Denn letztlich geht es uns nicht darum, wo genau wir stehen oder unterwegs sind. Es geht darum, für Menschen da zu sein, die gerade Hilfe brauchen.
Unser Fazit: Wir waren genau am richtigen Ort!
Nach diesen beiden Nächten können wir nur sagen: Es hat sich gelohnt!
Es gibt Abende, an denen kaum etwas passiert. Und dann gibt es Nächte, in denen man mit dem Helfen fast nicht mehr hinterherkommt. Beides gehört dazu.
Ich persönlich bereue keine einzige Minute, die wir mit unseren GOL Street Angels auf und rund um den Cannstatter Wasen verbracht haben.
Die vielen freundlichen Begegnungen, die ehrliche Dankbarkeit und besonders die Momente, in denen wir Menschen tatsächlich helfen konnten, haben uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Wir waren mit unseren GOL Street Angels genau dort, wo wir gebraucht wurden.
Und eines ist für uns nach diesen ersten Erfahrungen klar: Wir möchten diesen Weg weitergehen!
Alexander Lehmann








